Hallo ihr Lieben,

ich kehre soeben von einer weiteren virtuellen Wanderschaft zurück. Diesmal war ich in Birobidjan. Biro – was? Richtig: Birobidjan!

Ob dort Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen ( die Wahrscheinlichkeit ist groß ) weiss ich nicht. Doch die Flüsse Bira und Bidzhan fließen dort
zusammen und die natürliche Grenze zu China bildet der Amur. Damit ist die geographische Lage beschrieben: Es handelt sich um den südöstlichsten Zipfel der ehemaligen Sowjetunion.

Wenn es eine Hitliste der misslungenen Experimente gäbe, stünde Birobidschan ganz weit oben. Als Idee Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelt, wurde der Distrikt/Rayon/Oblast zu Beginn der Dreissiger eingerichtet. 1934 erhielt er den Namen „Autonome Jüdische Republik“.

Das war es dann auch schon im Großen und Ganzen. Abgesehen davon, dass das Projekt auch unter den sowjetischen Juden heftigste Diskussionen auf warf, hat es dort bis heute nie eine nennenswerte jüdische Besiedlung gegeben. Trotz breit gestreuter Propaganda und ausländischer Hilfe.

Die innerjüdischen Diskussionen waren ähnlich jenen, die Bundisten und Zionisten seit Ende der 1880er führten. Während die Bundisten den Antisemitismus als Klassenfrage bewerteten, sahen die Zionisten die Lösung in einer national-staatlichen Regelung. In den Dreissigern stand Palestina unter britischem Mandat – folglich war Einwanderung nur illegal möglich.

Einzig nach Ende des zweiten Weltkriegs siedelten sich dort etwa 10 000 bis 15 000 Juden aus anderen Regionen freiwillig an. Dies vor allem, weil nicht-zionistische Juden dem ansteigenden offenen Antisemitismus in anderen Gebieten der SU entkommen wollten.

Insgesamt hatte das jüdische Birobidjan stets eine negative Wanderungs-Bilanz vor zu weisen. Heute leben dort nur noch wenige Juden. Und doch: Seit etwa 2004 gibt es Rückkehrer. Menschen, die auswanderten und nun desillussioniert zurück kehren.

Dennoch: es ist eine spannende Geschichte. Zu der ich hier nur eine Kürzest-Einführung gegeben habe. Daher habe ich (einmal wieder) eine Link-Sammlung zusammen gestellt. Und ich habe wieder einmal bemerkt, dass es relativ wenig deutsche Quellen gibt.

The Last Jews of Birobidzhan, Gary Matoso

bebilderter, sehr informativer Bericht aus der „Encyclopaedia Judaica“ 1971, Bd. 4

wikipedia-links:
Wikipedia-Eintrag: Birobidschan
Wikipedia-Eintrag: Jüdisches Autonomes Gebiet

Chabad Lubawich ist auch da

Ein Erfurter erzählt von seinen Reisen nach Birobidschan 1955 und 1958

Ein französischer Bericht von „dailymotion“:

Bericht einer ungarischen Station (TV2) aus neuerer Zeit.

Im September 2005 reisten Lisa Dickey und David im September 2005. Inclusive Photo-Gallerie.

November 2007: Wahlkampf in Birobidschan

Die offizielle Seite des Oblast JAR – Jüdische Autonome Republik Birobidshan

Die Geschichte Birobidschans war spannend und ich finde sie spannend bis heute. Vielleicht finden das ja auch noch ein paar andere Menschen

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