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Gehört von ihr habe ich zum ersten Mal Anfang der siebziger Jahre. Zum zweiten Mal wurde ich Mitte der achtziger auf sie aufmerksam. Und dann nochmals, als Peter Wyden sein Buch „Stella“ veröffentlichte. Gestern abend habe ich ich nochmals in Ferdinand Kroh und Peter Wyden nachgesehen.

Sie war jung. Sie war blond und blauäugig. Als Tochter eines Komponisten und einer Konzertsängerin lebte sie in gediegenen Verhältnissen. Und sie wollte weiter leben.

Das tat sie denn auch. Auch als die Nazis ihre und ihrer Eltern Welt zerbrachen. Nach Zwangsarbeit taucht sie unter, sie übersteht auch noch die „Fabrik-Aktion“ Ende Februar 1943 in Berlin. Doch dann wird sie von der Gestapo gefasst.

Im Sammellager im Jüdischen Krankenhaus lässt sie sich nach Verhören und Folter in den Spezialtrupp des Gestapo-Mannes Walter Dobberke integrieren. Sie wird „Stella – Die Greiferin“ (Peter Wyden).

Etaw 30 jüdische „Greifer“ waren für Dobberke im „Jüdischen Fahndungsdienst“ tätig. Diese „Fahnder konnten sich weitgehend frei bewegen, trugen keinen Stern und waren zumeist mit Schusswaffen ausgerüstet. Darunter Stella Kübler-Goldschlag (Steller Kübler-Isaakson).

Als nach der „Fabrikaktion“ noch immer 5000 bis 6000 jüdische U-Boote in Berlin lebten, setzte Dobberke seine „Greifer“ verstärkt ein. Stella Kübler-Goldschlag muss ihm wie ein Geschenk vor gekomen sein. Sie war überaus erfolgreich. Man sagte ihr den „Geruch“ für U-Boote nach. Gemeinsam mit ihrem zweiten Mann Rolf Isaakson war sie der Schrecken der Berliner Juden und ihrer Unterstützer. Mehr als 300 U-Boote soll sie mit Rolf Isaakson aufgespürt haben.

Ihre nächsten Angehörigen, ihre Eltern und ihr erster Mann Manfred Kübler, wurden deportiert und ermordet. Sie machte als „Greiferin“ weiter und spürte noch bis zum März 1945 ihre Opfer auf.

Die Sowjets entdeckten sie im Oktober 1945 und verurteilten sie zu zehn Jahren Lagerhaft. Entlassen, stand sie in Westberlin zehn Jahre später nochmals vor Gericht und wurde ebenfalls zu zehn Jahren Haft verurteilt – die sie aber bereits abgesessen hatte.

72jährig beging Stella Kübler-Goldschlag 1994 Suizid. Ihre Tochter Yvonne lebt in Israel.

Und jetzt folgen einige wirklich lesenswerte Links:

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