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Juden in der Bundesrepublik Deutschland 1953

Die jüdischen Gemeinden umfassten eine Mitgliederzahl von ca. 20000 Mitgliedern, davon etwa die Hälfte Displayed Persons. Außer der Berliner Gemeinde mit ungefähr 4000, hatten nur drei der 84 in Westdeutschland existierenden Gemeinden mehr als 1000 Mitglieder: München mit 2500 sowie Hamburg und Frankfurt mit etwas über 1000. Die Zahl der Zurückgekehrten, die sich keiner Gemeinde angeschlossen hatten, wurde auf 5000 geschätzt.

„Deutschland heute“ vermeldete, dass in der Bundesrepublik in jenem Jahr etwa 140 Juden als Staatsbedienstete tätig waren, ungefähr 300 als Rechtsanwälte und einige als Richter, den Bundesrichter in Karlsruhe eingeschlossen. Weiter gäbe es ca. 30 Arzte und 20 bis 30 Autoren und Journalisten. Während der ersten sechs Monate emigrierten um die 700 Personen.

Im Januar begann plötzlich eine Rückkehrwelle aus Israel. Etwa 200 reisten über Frankreich ein, wo sie auf Visa nach Canada gewartet hatten. Andere reisten illegal ein. Mitte August des Jahres waren etwa 650 Israel-Rückkehrer im DP-Lager Föhrenwald angekommen, was dessen Bevölkerung wieder auf über 2000 Menschen brachte. (Da wurden die Bayern, die gerade im Begriff waren, Föhrenwald aufzulösen, richtig stinkig. Die Wogen waren erst durch Vermittlung des JDC zu glätten.)

1953 waren offiziell sechs Rabbiner in Gemeinden angestellt, abgesehen von einigen Privaten in osteuropäischen Minyanim. Berlin war nach dem Wegzug Peter Nathan Levinsons in die USA im April 1952 temporär rabbinerlos.

Die vierte Rabbinerkonferenz, die im Juli in Bad Nauheim stattfand, beklagte ein generelles Desinteresse am Religiösem und Kulturellen unter den Juden in Deutschland. Dies war auch dem Zentralrad bekannt. Er versprach, nach der Verabschiedung eines bundesdeutschen Entschädigungsgesetzes – seinem Arbeitsschwerpunkt- sich mehr um Kultusangelegenheiten zu kümmern.

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