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Juden in der DDR 1953

Im Osten, der DDR, hatte man andere Sorgen. Neben der ökonomischen Misere und der Massenflucht aus dem Land – deren Gründe ich hier nicht erörtere – wirkten sich auf die jüdischen DDRler vor allem der Slansky-Prozess in Prag und der „Arzte-Prozess“ in Moskau aus. Den Säuberungen der Parteien in Moskau und Prag (Rakosi und Ana Pauker stehen auf anderen Blättern)von „Zionisten“, „Spanischen Aristokraten“, „Westlichen Agenten“ und „jüdisch-nationaler Bougeoisie“ wollte die SED nicht nachstehen. Sie trat an „Die Lehren aus dem Slansky-Prozess“ zu ziehen.

Und das tat sie denn auch. Neben nichtjüdischen Genossen wie Paul Merker, Karl Hamman, Max Fechner, Wilhem Zaisser und Georg Dertinger waren von den Säuberungen tatsächlich überwiegend Juden betroffen.

Als Folge der „Antizionistischen“ Säuberungen flohen zwischen Anfang Januar und Ende März 1953 etwa 500 der insgesamt 2600 DDR-Gemeindemitglieder in den Westen, inclusive der Gemeindevorsitzenden. Darunter Leo Zuckermann, Julius Meyer, Hans Freund und Albert Hirsch. Klaus Gysi wurde seiner Funktion als stellvertretender Direktor des Kulturbunds enthoben, blieb aber, wie viele Andere, denen es ähnlich erging, in der DDR.

Nach Stalins Tod und der Eröffnung, die „Ärzteverschwörung“ gegen ihn sei eine Fälschung, ließ die Verfolgung nach. Die jüdischen Gemeinden befanden sich nun in einer abstrusen Situation: Sie waren ihrer Vorsitzenden und eines Teiles ihrer Mitglieder ledig (Die Mitgliederzahl der Leipziger Jüdischen Gemeinde sank in diesem Zusammenhang von 317 (1950) auf 173 (1953).), einige Gemeinden waren zusammengebrochen; gleichzeitig wurden Synagogen neu erbaut und renoviert.

Im Juli wurde in Halle (Halle scheint jiddenmäßig nach 1945 eine ganz spannende Stadt zu sein; Anm. Bommel) die renovierte Synagoge eingeweiht und im August in Berlin die Synagoge Rykestraße wiedererrichtet. In Ost-Berlin wrde eine separate Gemeinde installiert. Den zunächst kommissarischen Vorstand stellten Georg Heilbrunn, Berhard Jacobus und Israel Rothmann. Heinz Galinski verblieb der Westteil der Jüdischen Gemeinde Berlins.

Einen ortsgebundenen Rabbiner gab es seit dem Wechsel Peter Nathan Levinsons in den Westteil Berlins in der DDR nicht mehr.

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