Eigentlich ist das doch eine schöne Sache: 1940 bringen deutsche Fimschaffende das Lichtspiel „Jud Süß“ in die Kinos. 70 Jahre später machen sich andere deutsche Filmschaffende Gedanken darüber, wie gewissenlos sie diesen Film finden. Eigentlich eine schöne Sache. Als Ergebnis ihres Nachdenkens bringen sie dann „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ in die Kinos.

Zugegeben: Es lässt sich trefflich über etwas herziehen, das man selbst nicht gesehen hat. Und nach lesen der Erstkritiken der letzten Woche wird das auch so bleiben. Schließlich gibt es Dinge, die man tun muss, Dinge, die man tun kann und Dinge, die man nicht tut. Ich packe meinen gedanklich generell als möglich zu erachtenden Besuch des 2010ers in die dritte Kategorie.

Doch worum, nein: Um wen geht es? (Tatsächlich geht es um etwas, dazu aber später.)

Der Film tut so, als handele er von Ferdinad Marian, dem Darsteller des Joseph Süß Oppenheimer im 1940er. Dem Wiener Striezzi, der so gern denen da oben gefallen will. Der es liebt, die Zuschauer aus dem Kinosessel zu heben. Von seinen Gewissensqualen, diese Rolle letztlich doch angenommen zu haben. Von seinem Leiden, immer wieder mit dieser Rolle identifiziert zu werden und darob dem Trunke zu verfallen zu sein. Von seinem Tod durch einen tragischen Autounfall, „unter nie geklärten Umständen“. Was habe ich gelacht.

Aber nur bis zu diesem Punkt.

Denn jetzt las ich, dass der Regisseur so frei sei, Marian eine jüdische Ehefrau zur Seite zu stellen. Diese sei von Deportation bedroht, so Marian die Rolle nicht annehme. Und damit nicht genug, verberge er obendrein, so Regisseur und Drehbuchautor, einen Juden im Keller (oder Gartenhaus? Egal, Hauptsache Juden verbergen), was das Hausmädchen, eine grässliche Nazisse, der Gestapo petze.

Ich wollte schon weiterlachen, doch eben gerade blieb mir das Lachen im Halse stecken. Denn mir dämmerte, was da verbraten wird, um was es da wirklich geht. Da werden Entschuldigungsgründe gesucht. Und wenn man keine findet, bastelt man sie sich. Und was zieht in einem deutschen Film für deutsches Publikum – mit leichtem Seitenblick auf internationales – besser, als den tragischen Helden mit Angehörigen der gefährdetsten Personengruppe zu verbinden. Das geht doch zu Herzen. Und schafft Entlastung.

Übrigens hat Friedrich Knilli, Autor des Buches „Ich war Jud Süß“ und wohl einer der besten Kenner Marians, schon vor der Premiere gegen die „verfälschende Heroisierung und Verkitschung“ (Berliner Zeitung 19. 2. 2010) protestiert.

Objektiver als ich hier berichtet die „Süddeutsche“ über die Premiere.

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